Um die 1.000 Menschen beteiligten sich an den Gegenaktivitäten gegen den Naziaufmarsch der sog. "Freien Kräfte Sachsen" - eines militanten Neonazi-Zusammenschluss. Von zum grossen Teil anwohnenden Antifaschistinnen wurde eine Menge Wut dagegen wurde auf die Strassen - die voller Plakate gegen die Nazidemo hingen - getragen. Jedoch fand diesmal nicht wie im Kneipenviertel gewohnt eine Party statt (alcohol at demonstrations sucks!) , sondern eine Auseinandersetzung mit der NS-Verherrlichung der Nazis. Die Naziposition zur Antifa blieb zwischen Kopie, Umarmung und militantem Angriff diffus. Zu mehreren Naziangriffen, teils im 100er-Nazi-Mob kam es vor und nach der Nazidemo im Bahnhof Neustadt. Die Polizei jedoch konzentrierte sich während des Tages auf das Zusammenknüppeln, -schlagen und -treten von Linken.
Sich selbst im Fronttransparent als "Freundeskreis Venceremos" bezeichnend (sollen wir uns jetzt geschmeichelt fühlen, oder wie?) trabten grade mal 150 bis 200 Nazis durch die Kante. Orga-Team um Anmelder Sven Hagendorf waren die vorbestraften und deshalb nicht als Ordner zugelassenen Lutz Giessen ("Pommersche Aktionsfront", Berlin), Thomas Rackow (Betreiber des gehackten heimatschutznet), Sebastian Reiche, Karsten Scholz, Peter Naumann und auch Ronny Thomas, der nach einem Jahr und damit dem Absitzen von 2/3n seiner jüngsten Haftstrafe, wieder unterwegs ist. Der Weg über den Bischofsweg in die Äußere Neustadt blieb ihnen verwehrt - der Weg durch das Hechtviertel durch Barrikadenbau nach einer Sperrmüll-Sammlung auf der Rudolf-Leonhard-Strasse zumindest verzögert. Auch der anschliessende zweite Versuch der Nazis über den Bischofsweg zum Alaunplatz zu gelangen scheiterte. Eine Blockade an der Schauburg stoppte die Nazidemo für einige Zeit. Die Polizeitaktik währenddessen spottet jeder Beschreibung: Mit einem unheimlichen Engagement stürzten sich vollbewaffnete Robocops auf Sitzblockaden, Versammlungen und sich einen Weg auf die Naziroute bahnende Menschen. Bei Verhaftungen wurden nahezu prinzipiell Verletzungen verursacht, darunter ein Armbruch und eine Gehirnerschütterung. Als hätten sich die Bullen die Inhalte der Nazis zu eigen gemacht - Gegen angeblichen "linken Terror" in der Neustadt - gaben die Bullen alles, um die Naziroute freizuprügeln. Einsatzleiter peitschten die Polizisten mit Worten wie "Kämpfen, Jungs" auf. Einen Verhafteten beschimpfte ein Bulle mit "Du Mörder". Dagegen kam es nach Auflösung der Nazidemo zu mehreren Naziangriffen, die nahezu unbehelligt von der Polizei zu mehreren, teils schweren, Verletzungen führten. Im Radio hiess es im Anschluss, ein Polizist sei durch eine ätzende Flüssigkeit schwer verletzt worden, die ihm ins Gesicht gegossen worden sei. Auf Nachfrage handelt es sich um Pfeffergas. Dauernd sprühen es die Kollegen ungünstig und so machen diese auch mal Bekanntschaft mit dem stark ätzenden Pfeffergel. Diese Pressemeldungen der Polizei sind nicht nur als Diffamierung zu werten, sondern vor allem als Rechtfertigung für den völlig überzogenen Polizeieinsatz. Ein Grossteil der Gegendemonstrantinnenen kam aus der linksalternativen Szene Neustadts und Umgebung. Aus dieser bunten Mischung von linken Jugendlichen, Punks, Hip-Hoppern und auch einigen Friedensbewegten, wurden dann im Polizeijargon 800 Autonome. Bilanz: 34 Festnahmen bzw. Gewahrsamsnahmen von Linken und nur zwei bei den Nazis.
Hier der Bericht im Einzelnen:
Die Neustadt gilt als Ort in dem Menschen, die nicht dem Bild der deutschen Volksgemeinschaft entsprechen, relativ unbehelligt leben können und Neonazis nicht ungestört ihre menschenverachtende Propaganda verbreiten können. Die Neonazis bezeichnen dies als linken Terror und wollten mit ihrer Demonstration ein Zeichen für rassistische, homophobe, sexistische und antisemitische Übergriffe setzen, so wie sie in ihren zu Herkunftsgebieten schon zur Normalität geworden sind. Am 27. Juli 2002 hatten sie es schon einmal probiert, konnten aber lediglich am Rand der Neustadt marschieren. Im Vorfeld fabulierten die Neonazis in einschlägigen Naziforen von bis zu tausend erwarteten Teilnehmern und einer Generalprobe wegen dem 1. Mai in Leipzig-Connewitz, wo auch ein Neonaziaufmarsch durch ein linkes Viertel stattfinden soll. Allerdings wurden diese grössenwahnsinnigen Ambitionen der sogenannten „Freien Kräfte Sachsens“ von einer grottenschlechten Mobilisierung flankiert, deren Tiefpunkt bzw. Höhepunkt das wochenlange defacement der Internetpräsenz des Heimatschutznetzwerkes und damit der Mobilisierungsseite der Neonazis durch die Hackergruppe „Katjusha“ war. (Hi Mom.) Für den Tag riefen Antifagruppen, Friedensinitiativen und sonst eher subkulturell engagierte Personen aus der Neustadt zu Gegenaktivitäten auf. Diese Aktivitäten wurden von bürgerlicher Seite aus kaum unterstützt, teilweise sogar sabotiert, wie im Fall der Sächsichen Zeitung, die am 18.03. in einem Kommentar dazu aufruft die Neonazis zu ignorieren, weil jeglicher Protest die Neonazis stärken würde. Vielleicht sollte der Schreiberling mal überlegen, wieso dann die Neonazis ausgerechnet in den Gebieten am Stärksten sind, in denen immer schon weggesehen wurde, wie es in vielen Gegenden in Sachsen der Fall ist. Die Dresdener Neustadt ist im Gegensatz dazu eine der wenigen positiven Ausnahmen in Sachsen.
Am Tag selbst setzte die Polizei den Naziaufmarsch mit brutaler Gewalt durch. Schon Stunden bevor die Neonazis mit ihrer Auftaktkundgebung begannen, füllte sammelten sich in und um das Aufmarschgebiet der Neonazis mehrere hundert Gegendemonstrantinnen. Die Polizei ging dabei mit Knüppeleinsätzen, roher Gewalt (Gegendemonstrantinnen wurden auf die Strasse geworfen und verprügelt), willkürlichen Kontrollen, Platzverweisen, Festnahmen und Ingewahrsamnamen gegen die NazigegnerInnen vor. Auch waren statt der angekündigten 900 Beamten etwa 1500 Beamte im Einsatz. Trotz des martialischen Einsatzes war die Polizei bis an ihre Reserven gefordert, um die Lage unter Kontrolle zu halten. Dabei wurden in der Neustadt teilweise Strassenzüge von der Polizei aufgegeben, da die nicht genügend Verstärkung vorhanden war, um diese zu halten bzw. die Beamten an anderer Stelle benötigt wurden um Blockaden aufzulösen. In der Rudolf-Leonhard-Strasse die zum AZ Conni führt, fingen Leute an Barrikaden zu bauen.
Nazi-Route musste abgekürzt werden
Die Neonazis konnten dann auch wieder nicht durch die eigentliche Neustadt laufen, und zogen nach starken Verzögerungen aufgrund der Gegenaktivitäten, vom Neustädter Bahnhofs ins Hechtviertel. Dort hielten sie in Sichtweite des AZ Conni ein Kundgebung ab, und dann ging es auch über die Königsbrückerstrasse schon wieder zurück zum Bahnhof. An der Schauburg verlangten die Neonazis von der Polizei doch noch geradeaus in die Neustadt marschieren zu dürfen, was aber von der sichtlich gestressten Einsatzleitung der Polizei mit dem Angebot beantwortet wurde, dass die Neonazis entweder zum Bahnhof Neustadt zurück demonstrieren oder die Demo an Ort und Stelle aufgelöst wird. In anbetracht der Tatsache, dass die Zahl der Gegendemonstranten auf ungefähr 1000 angewachsen war, entschieden sich die Neonazis dann doch für die Variante zum Bahnhof zu laufen.
Naziübergriffe und -Angriffe im Bahnhof Neustadt
Als die Neonazis dann am Bahnhof Neustadt ankamen, verlor die Polizei zeitweise völlig die Kontrolle über die Lagen, währen Gegendemonstranten den Bahnhof von allen Seiten belagerten, fingen die Neonazis an im Bahnhof frei zu drehen. Erst rannten sie johlend und brüllend einer Hundertschaft der Polizei hinterher die gerade wieder mal durch den Bahnhof stürmte, dann bewarfen die Neonazis vom Bahndamm aus Gegendemonstranten, Passanten und Polizei mit Flaschen und Steinen, und verprügelten mit einer Fahnenstange eine einzelne Frau im Bahnhof. Viele Bürgerinnen waren angesichts dieser Bilder schockiert. Eine Geschäftsfrau aus Kapstadt in Südafrika, musste noch mit dem Zug nach Zittau fahren, und hatte Angst sich wegen ihrer dunklen Hautfarbe in den Zug zu setzen. Sie erzählte auch, dass so etwas in Südafrika nicht möglich wäre, dort würden sich viel mehr Menschen gegen solche menschenverachtende Meinungen zur Wehr setzen, und solche öffentlichen Manifestationen von Neonazis gar nicht zulassen. Sie selbst wird - unter anderem wegen dieser Bilder und weil ihre Tochter nicht in Angst vor rassistischen Übergriffen aufwachsen soll - Deutschland bald verlassen. Einige BürgerInnen waren angesichts der Geschehnisse im Bahnhof ziemlich aufgebracht und brüllten ihrerseits PolizeibeamtInnen an, die aber nicht darauf reagierten, sondern weiter nur gegen die aufgebrachten GegendemonstrantInnen vorgingen und Etliche von ihnen festnahmen.
Antifa-Spontandemonstration nach Abreise der Nazis
Nachdem die Neonazis dann zum größten Teil wieder auf dem Weg nach Hause waren, sammelten sich hinter dem Bahnhof rund 400 GegendemonstrantInnen um noch eine Spontandemo zum Neonazitreff "Club 14" in der Weimarischen Strasse durchzuführen. Die Polizei ging auch hier wieder mit Gewalt gegen die DemonstrantInnen vor. Unter fadenscheinigen Vorwänden wurde die bereits formierte Demonstration von der Strasse gedrängt und geprügelt. Nachdem dann 5 Minuten später alle Formalitäten mit der Anmeldung geklärt waren ging es dann doch los. Durch die kurzzeitige Blockade des Autobahnzubringers Hansastrasse wurde die Hinhaltetaktik des Dresdner Ordnungsamtes von der Polizei beendet. Sog. "frische Beamte" - der BGS zumeist - waren inzwischen "eingewechselt" worden. Beziehungsweise waren diese Beamten keineswegs "frisch", sondern auch schon den ganzen Tag unterwegs - aber es ging der Polizei an dieser Stelle einfach darum Masse zu zeigen. So waren es dann auch knapp doppelt soviele Bullen wie Demonstrantinnen. Trotz des anstrengenden Tages und der ganzen Schikanen beteiligten sich noch etwa 250 Menschen an der Spontandemonstration. Diese wurde auch wieder von einem martialischen Polizeiaufgebot begleitet. Mit Bullenblocks vorn und hinten und Spalier an der Seite. Der Club 14 kam dann auch nicht mal in Sichtweit, schon weit vor der Weimarischen Strasse hatte die Polizei mit einem Grossaufgebot die Strasse gesperrt. Der Demo blieb angesichts der grossen Polizeiübermacht, nichts anderes übrig als umzudrehen, und so ging es zurück Richtung Neustadt zum Albertplatz. Am Albertplatz angekommen, kam es wieder zu Rangeleien mit der Polizei, die mit der Situation völlig überfordert war. Zuerst hieß es, die Demonstration dürfe auf keinen Fall in die Alaunstraße hinein laufen, was die Polizei mit dem Einsatz von körperlicher Gewalt zu verhindern suchte. Wenige Minuten später entschied die Einsatzleitung, dass die DemoteilnehmerInnen doch in die Alaunstrasse dürften, aber nur dorthin, was bei einem Grossteil der PolizeibeamtInnen aber scheinbar nicht ankam. Diese prügelten weiter auf die DemonstrantInnen ein, die sich Richtung Alaunstrasse bewegten und versuchte noch Transparente zu zocken. Die entnervte Einsatzleitung zog dann ihre hirnlosen Kampfroboter kurzerhand einfach komplett von der Demo ab, damit diese keinen weiteren Schaden anrichten konnten. Die verbliebenen DemoteilnehmerInnen, zum grossen Teil BewohnerInnen dieses Viertels, zogen dann in die Alaunstrasse und zerstreuten sich dann wie schon so oft nach Demonstrationen an dieser Stelle..
Weitere Naziübergriffe nach dem Ende der Nazidemo
Während dessen hatten die Nazis, die vom Bahnhof Neustadt aus unterwegs waren - ohne Polizeibegleitung - weitere Übergriffe verübt. Vor allem Berliner und Potsdamer Nazis (4-5 sind ehemalige BASO-Aktivisten - darunter Andreas Thürmann) haben im Regionalexpress nach Elsterwerda Jagd auf vermeintliche "Antifas" gemacht. Diese Angriffe sahen sehr komisch aus. Die ganze Zeit wurden die Antifas mit "Römer, Römer"-Rufen durch den Zug gescheucht und verprügelt. Ein Mann und eine Frau wurden bei diesen Angriffen verletzt. Als - dieses Szenario spielte sich die ganze Zeit am Bahnhof Coswig bei Dresden ab - eine weitere S-Bahn mit etwa 20 Antifas einfuhr (wussten von den Angriffen im Zug nichts), bereiteten die Nazis unter "Antifas", "Zecken" und "Römer" Rufen einen weiteren Angriff vor. Jedoch wurde dieser durch in der S-Bahn mitfahrenden BGSler verhindert. Die Nazis zogen sich daraufhin wieder um und nahmen wieder ihre Sitzplätze ein. Einige entfernten sich von der großen Gruppe und nahmen separat Plätze ein, konnten jedoch von den Opfern identifiziert werden. Von allen Nazis - etliche waren schwarzgekleidet und hatten Hatecore-Klamotten an, außerdem wurden viele Buttons mit abgewandeltem Antifa-Aktionszeichen mit "Autonome Nationalisten Bundesweite Organisationen" gesichtet - wurden die Personalien aufgenommen und es kann mit etlichen Anzeigen wegen Körperverletzung gerechnet werden, da es viele Zeugen gab. Es bleibt die Frage, warum diese Gruppe von 30 Nazis unbegleitet in den Zug gesetzt wurden.
Bilder von den Protesten und der Nazidemo finden sich bei der Antifa Dresden [1].
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