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Spontandemo am 30.03.2005 in Dresden: Weiter als gedacht
Posted Mar 31, 2005 - 02:55 AM


Gestern Abend versammelten sich spontan in Dresden um die 120 AntifaschistInnen als Reaktion auf den Nazimord in Dortmund vom Montagabend. In Dortmund hatte ein 17jähriger Nazi in Begleitung seiner Freundin auf einem U-Bahn-Bahnhof einem 32jährigen Punk mit einem Messer eingestochen und ihn getötet.

Die Demonstration verlief zunächst etwas flotter und laut Parolen rufend ("Dortmund, Dortmund das war Mord, Widerstand an jedem Ort") durch die Dresdner Neustadt. Pyrotechnische Erzeugnisse erhellten ab und an die nächtliche Dunkelheit. Immer wieder wurden PassantInnen mit einem Megaphon über den Grund der Spontandemo informiert. Fast am Bahnhof Neustadt angekommen, versuchten die Bullen etwas zu stressen und die Demo zu stoppen. Daraufhin fand ein Farb-Ei den Weg auf die Frontscheibe eines Six-Packs. In der Unterführung zur Hansa-Straße gelang es den Bullen dann auch, die Demo zu kesseln. Hier fand sich dann aber auch gleich eine Anmelderin und so ging es nach nur 10 Minuten Pause weiter.

Auch diesmal verweigerten uns die eingesetzten Bullen eine Demo bis direkt vor den Nazitreff "Klub 14" des umtriebigen Nazikaders Sven Hagendorf. Diesmal ging es, anders als am 19.03.2005, doch schon in die relative Nähe des "Klub 14". An der Kreuzung Gehestraße/Erfurter Straße wurde dann eine 20 minütige Zwischenkundgebung abgehalten. Hier wurde in einem weiteren Redebeitrag auf die bisher ungeklärten Umstände des Todes von Oury Jalloh aufmerksam gemacht. Oury Jalloh starb am 07.01.2005 im Polizeigewahrsam im Dessauer Polizeirevier.

The Voice schreibt dazu:

"Niemand bezweifelt, dass Oury Jalloh, der am 7. Januar in der Polizeistation Dessau mit gefesselten Händen und Füßen in seiner Zelle verbrannte, unter noch immer ungeklärten Umständen gestorben ist, genauso wie alle, die sich mit dem Fall befassen wissen, dass es viel mehr Fragen als Antworten gibt.
Nichtsdestotrotz wird alles getan, um das Geschehen vom 7. Januar unter den Tisch zu kehren. So wird es von der Staatsanwaltschaft gegenüber der Rechtsanwältin der Mutter von Oury Jalloh, Regina Götz, abgelehnt, eine Röntgenuntersuchung am Leichnam durchzuführen, obwohl in den Vernehmungsprotokollen von körperlichen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Oury Jalloh und in der Presse von gebrochenen Handgelenken die Rede war. Außerdem bleibt laut der Anwältin ungeklärt, wie das Feuerzeug in die Zelle gelangen konnte, obwohl die Polizeibeamten in ihrer ersten Vernehmung angegeben haben, dass ein Übersehen bei der Durchsuchung ausgeschlossen sei. Das Feuerzeug taucht in der ersten Asservatenliste vom 10.1. 2005 nicht auf, dann aber in der zweiten. vom 11.1.05. Weitere Fragen der Anwältin sind: Warum wurde Oury Jalloh über mehrere Stunden an allen Gliedmaßen angekettet in der Zelle festgehalten? Wie kann eine nicht entflammbare Matratze von einem gefesselten Menschen angezündet werden? Und wie kann es kommen, dass drei Polizeibeamte von dem Schreien eines verbrennenden Menschen - wenn diese Version zutrifft - und dem Rauch nichts mitbekommen haben wollen?"

weiter:

"Der Tod von Oury Jalloh hätte eigentlich eine Welle der Empörung auslösen müssen. Der Tod von Oury Jalloh hätte eigentlich eine Schande für ein Land sein sollen, das dieses Jahr dem 60. Jahrestag der Ende der Nazi-Gräueltaten mahnt. Aber das ist leider nicht der Fall. Sogar im Gegenteil: Deutschland schweigt. Auch fünf Jahre nach dem Mord an dem Mosambikaner Antonio Adriano in Dessau durch drei Nazis." 

Nach der Zwischenkundgebung ging es dann über die Fritz-Reuter-Straße wieder Richtung Dresdner Neustadt. Dort wurde noch dem Nazikader Sven Hagendorf im elterlichen Haus auf der Hechtstraße 29 ein Besuch abgestattet. Hier wurden noch einmal die AnwohnerInnen auf die nazistischen Umtriebe ihres Nachbarn aufmerksam gemacht. Am St.Pauli-Eck wurde die Demonstration dann aufgelöst, nachdem auch hier noch einmal auf gleichnamigen Nazitreff aufmerksam gemacht wurde.

Auch wenn wir diesmal wieder nicht direkt vor Hagendorfs "Klub 14" gekommen sind, war es doch schon mehr als am 19.03. Aber der "Klub 14" ist ja noch bis Ende des Jahres geöffnet, vielleicht klappt es demnächst ja. Natürlich spontan.


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